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Chronik

Über die wechselvolle und erlebnisreiche Geschichte des Rasensportvereins ist häufig und von verschiedenen Mitgliedern geschrieben worden. Den ersten umfassenden Bericht enthält die Jubiläumsschrift zum 25jährigen Bestehen im Jahre 1932, von der nur noch wenige Exemplare vorhanden sind. In ihr haben sich mehrere, leider unbekannte Schreiber bemüht, das Geschehen des damals noch jungen RSV festzuhalten. Dieser Bericht wurde zur Grundlage für alle späteren Veröffentlichungen. 1907 ist in den Ausführungen als Gründungsjahr für unseren Verein angegeben.

Durch Zeitungsberichte aus dem Jahr 1903 ist aber nachweislich belegt, daß bereits 1902 in einem ersten Vorläufer des späteren Rasensportvereins Fußball gespielt wurde. Der am 11.02.1984 verstorbene Dr. Harald Reinhardt hat hierzu nachgeforscht und in der Festschrift von 1972 die Entstehung unseres Vereins näher erläutert. Zur Verdeutlichung werden seine Ausführungen nochmals veröffentlicht:

Aus einer der vor oder um 1905 auch in der Mülheimer Altstadt existierenden zwanglosen Fußballgruppen entwickelte sich, vor allem dank der Initiative von Heinrich Ingerfurth und Karl Heckhoff, während einer im Sommer 1906 in der Wilhelm-Schenke anberaumten Gründungsversammlung der Mülheimer Spielverein. Ulrich Kerwer stand den beiden in der Klubarbeit tatkräftig als Sportleiter zur Seite. Außer Fußball wurde die Leichtathletik ausgeübt.

Am 21.09.1907 gab`s im Restaurant Jägerhof (Bachstraße) eine Fusion des Mülheimer Spielvereins und des 1. Mülheimer Fußballklubs 1906, der wenige Tage vorher (15.09.1907) sein Stiftungsfest mit einer herausragenden fußballsportlichen Veranstaltung auf dem Kahlenberg eröffnet hatte. Beteiligt waren Mannschaften aus Mülheim, Meiderich und Kettwig vor der Brücke. Die neue Sportgemeinschaft erhielt den Namen Mülheimer Sportverein. Zum Vorsitzenden wurde Heinrich Ingerfurth gewählt. Anstatt nun das Gründungsdatum des Mülheimer Spielvereins (Sommer 1906) oder des 1. Mülheimer Fußballklubs (15.09.1906) für den Mülheimer Sportverein zu übernehmen, setzte man damals und bis dato den 21.09.1907 ein. Es ist mithin bereits bei diesem Zusammenschluß ein Versäumnis unterlaufen.

In Heißen hatte sich 1912 der Sportverein Preußen Mülheim (Ruhr)-Heißen gebildet. Außerdem entstand damals Hohenzollern Mülheim (Ruhr)-Heißen. 1913 schlossen sich diese beiden Sportgemeinschaften und der Mülheimer Ballspielverein zum Verein für Rasenspiele Mülheim (Ruhr)-Heißen zusammen. Auch bei jener Fusion wurde versäumt, das Gründungsdatum des ältesten Gliedes der Vereinigung, des Mülheimer Ballspielvereins, zu akzeptieren. Seine Entstehung reicht bis in den Herbst 1902 zurück. Er war der erste Mülheimer Verein mit einer Fußballabteilung. Ein am 08.06.1903 in der Mülheimer Zeitung veröffentlichter Kurz-Bericht gibt darüber Auskunft:

" Der im vorigen Herbste gegründete Klub verfügt bereits über eine ganz ansehnliche Mitgliederzahl. Zweck desselben ist, durch ein regelmäßiges und wohlgepflegtes Rasenspiel seinen Mitgliedern angenehme körperliche Bewegung zu verschaffen bzw. Herz, Lunge und Muskeln zu stärken, was zurzeit durch das Fußballspiel zu erzielen gesucht wird und demnächst durch sonstige Ballspiele erweitert werden soll."

Das Hotel-Restaurant von Pips in der Georgstraße wurde Vereinslokal der neuen Sportgemeinschaft. Übungsstunden und Fußballspiele fanden auf dem Kahlenberg statt. Bis 1913 wurde mehrmals in der örtlichen Presse über den Mülheimer Ballspielverein berichtet.

Am 14.06.1919 erfolgte im Parkhotel der Zusammenschluß des Mülheimer Sportvereins und des Vereins für Rasenspiele Mülheim (Ruhr)-Heißen zum Rasensportverein Mülheim (Ruhr). Auch bei dieser neuerlichen Fusion ist niemand auf den Gedanken gekommen, das Gründungsjahr des Mülheimer Ballspielvereins als zeitliche Ausgangsposition für den RSV Mülheim zu bestimmen. Statt dessen wurde der 21.09.1907, also der Tag der Verschmelzung des Mülheimer Spielvereins und des 1. Mülheimer Fußballklubs 1906, als Gründungsdatum auch weiterhin beibehalten. Eine plausible Erklärung für dieses Versäumnis und die vorher erwähnten Unterlassungen kann man selbstverständlich im nachhinein nicht mehr geben. Dies ändert aber in keiner Weise etwas an der sportgeschichtlichen Tatsache, daß die Anfänge des RSV Mülheim bis in den Herbst 1902 zurückreichen. In der Jubiläumsschrift von 1977 wird Dr. Reinhardt noch ausführlicher, indem er seine Ermittlungen durch weitere Zeitungsberichte, die original gedruckt sind, bestätigt findet. Die Mitgliederversammlung 1973 folgte dieser Argumentation und von ihr wurde beschlossen, in unserer Vereinssatzung 1902 als Gründungsjahr aufzunehmen.

Rasensportverein Mülheim an der Ruhr
Wie schon eingangs erklärt, ist unser Verein unter dem heutigen Namen 1919 durch den Zusammenschluß des Mülheimer Sportvereins und des Vereins für Rasenspiele Heißen entstanden. Wie kam es zu dieser Fusion?

Im November 1918 fand der 1. Weltkrieg sein Ende. Zum Millionenheer der Toten und Versehrten zählten auch zahlreiche ehemalige Sportler dieser beiden Vereine. Ein solcher Aderlaß erschwerte natürlich den Regenerationsprozeß. Die ungewöhnlich turbulenten Nachkriegsjahre im Ruhrgebiet erhöhten die Sorgen. In dieser Krisenzeit mehrten sich im MSV und im VFR die Stimmen, die in einem Zusammenschluß der beiden befreundeten Vereine den besten Weg zur Behebung der vielen Schwierigkeiten sahen. Nach mehreren Besprechungen und Verhandlungen wurde am 14.06.1919 im Parkhotel die Fusion vollzogen und der Rasensportverein Mülheim (Ruhr) aus der Taufe gehoben. Ferdinand Mohr übernahm den Vorsitz im RSV. Ihm folgte 1920 Heinrich Oppenhorst. Ein Jahr danach wurde Oswald Luhr mit der Führung des Vereins betraut. 1922 stand Julius Moossen an der Spitze des Rasensportvereins.

Bereits Anfang der zwanziger Jahre trat der RSV ob seiner Leistungsstärke im Fußball und in der Leichtathletik ins Rampenlicht der westdeutschen Sportbühne. Einen der vielen sportlichen Höhepunkte gab`s am 04.09.1921 bei der Einweihung des Stadions Heimaterde. Dabei spielte das Ligateam des RSV gegen den Ligisten Gelsenkirchen 07 und Vorwärts Berlin, damals Brandenburgischer und Deutscher Vizemeister und den Westdeutschen Meister Duisburger Spielverein. 20000 Zuschauer bildeten eine imposante Kulisse. H. Rotthäuser und J. Ganzer machten sich in jenen Jahren um den Spielbetrieb im RSV besonders verdient. - 1924 begann der Siegeszug der Handballabteilung.

Leider endete dieser fußballerische Frühling schon 1926. Nach dem Abstieg aus der ersten Liga konnten sich die Fußballspieler des RSV seitdem nur noch in unteren Klassen placieren. Die mit dem Abstieg verbundene finanzielle Einbuße brachte den Verein in den Jahren 1927 - 1930 vor allem deshalb in arge Bedrängnis, weil eine vorher für den Ausbau der eigenen Platzanlage aufgenommene Schuldenlast nicht getilgt war. In Auswirkung dieser Misere fehlte im RSV sogar vorübergehend ein 1. Vorsitzender. Erst als Hugo op den Winkel ab 1930 den Verein führte, wurden die Schulden langsam abgetragen. Außer ihm hat sich Heinrich Klewer seinerzeit stark für den RSV eingesetzt.

Diese auch im sportlichen Bereich zu konstatierende Aufwärtsentwicklung hielt bis zum Beginn des II. Weltkrieges an. In jenen Jahren machten besonders die Handballspieler, die 1936 sogar zur absoluten reichsdeutschen Spitzenklasse zählten, von sich reden.

Im Kriege konnte das sportliche Leben im RSV notgedrungen nur spärlich weitergeführt werden. Urlauber und noch nicht eigezogene Jugendliche bildeten das letzte Aufgebot, bevor der Vereinsbetrieb im Sommer 1944 aus kriegsbedingten Gründen ganz zum Erliegen kam.

Wiederaufbau und sportlicher Glanz nach dem Kriege
Die Nachwehen des Infernos wirkten sich noch viele Jahre in einer ungewöhnlichen Härte, Vielfalt und Weite aus. In den zerbombten Städten des Ruhrgebietes vegetierten die meisten in Trümmerstücken, Erdlöchern oder Bunkern. Bei dem ungeheuren Ausmaß der Zerstörungen war auch der RSV-Platz nicht verschont geblieben. Das Terain glich eher einer Kraterlandschaft als einer Sportfläche. Zeitweilig hat das Gelände zahlreichenden Notleidenden zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse gedient. Am Spätabend des 3.April 1943 wurde das Umkleidungsgebäude von Brandbomben getroffen und mit allem Inventar vernichtet.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges 1945 verbot die Militärregierung zunächst jeden sportlichen Wiederaufbau. Erst im Herbst 1945 wurden Sportvereine wieder zugelassen. In der vorgeschriebenen Neugründungsversammlung unseres Vereins - Anfang Oktober im Gesellenhaus - wurde Hans Reichmann zum Vorsitzenden gewählt , der in den dreißiger Jahren bereits im Vorstand tätig war. Bei dieser Zusammenkunft wurde deutlich, daß unter den Mitgliedern des RSV viele Kriegsopfer zu beklagen waren und nur wenige der ehemaligen Sportfreunde kehrten aus der Gefangenschaft zurück. Dennoch begannen die Übriggebliebenen sportlich und organisatorisch einen überraschend schnellen Wiederaufbau. in der Fuß- und Handballabteilung standen sofort mehrere Mannschaften wettkampfbereit. Auch die Leichtathleten sammelten unter der Leitung von Arthur von der Straeten und Willi Brinker alte und neue Freunde, die mit dem Kahlenbergsportplatz eine intakte Anlage vorfanden. Anfang 1946 gründete Josef Sokolowski eine Tischtennisabteilung.

Dagegen mußten die Fuß- und Handballerspieler auf fremde Plätze ausweichen. Für einen ordnungsgemäßen Trainings- und Spielbetrieb war darum die Instandsetzung unseres Sportplatzes an der Velauer Straße eine dringend notwendige Voraussetzung. Zunächst wurde die Spielfläche von aktiven und passiven Mitgliedern in Eigenleistung mit viel Schutt und Asche provisorisch eigeebnet. Doch konnte das Heißner Gelände wegen der verbliebenen Unebenheiten und noch zerstörten Zuschauerränge nur zum Training genutzt werden.

Da besonders die 1. Handballmannschaft durch hervorragende sportliche Leistungen beeindruckte, wurde mit der Einladung immer besserer Gegner die Zahl der Zuschauer stets größer. Auf den Plätzen an der Zinkhüttenstraße, Südstraße und am Papenbusch erlebten oft über 10.000 Besucher rasante Spiele. Mit den Einnahmen entstand eine finanzielle Grundlage, die zuließ, den vereinseigenen Sportplatz besser und großzügiger als je zuvor zu erneuern. Noch vor der Währungsreform erhielt die Firma Tief- und Straßenbau dazu den Auftrag. Bereits Anfang Oktober 1948 konnte den Aktiven ein mustergültiger Rasenplatz übergeben werden. Die Handballspiele zur Einweihung bei den Männern gegen Hasse-Winterbeck Kiel und der Frauen gegen Schwartz-Weiß Barmen - beide Gegner waren amtierender Deutscher Meister - vor vollbesetztem Rund sind vielen Mülheimern noch in bester Erinnerung. Die 1. Fußballmannschaft spielte gegen den damals in der höchsten Leistungsklasse stehenden VFB Speldorf.

Entscheidende Verdienste um die mit großen Kosten ausgeführten Arbeiten erwarben sich Hans Reichmann Als Vorsitzender und die Angehörigen des Bauausschusses Paul Kosmalla, Willi Fabri und Willi Eumann.

Wegen beruflicher Überlastung legte Hans Reichmann 1952 den Vorsitz nieder. Nachfolger für 2 Jahre wurde Willi Fabri. Ihm folgte 1954 - 1963 Fred Jutzi, unter dessen Vereinsleitung der Sportplatz verbessert; 1959/60 das Vereins- und Umkleidehaus errichtet und im Oktober 1960 eingeweiht wurde. Der vorgenannte zog 1963zurück in seine süddeutsche Heimat. Der bis dahin als Stellvertreter fungierende Heinrich Wittkugel übernahm danach den Vorsitz, den er bis zu seinem freiwilligen Rücktritt Anfang 1971 ausübte.

1965 traten einige Volleyballspieler der Lehrerarbeitsgemeinschaft dem RSV bei und gründeten eine Abteilung unter der Leitung von Hans Schwechten. Doch schon 1970 löste sich die gruppe von unserem Verein und machte sich selbstständig als 1. Volleyballclub Mülheim an der Ruhr, der heute noch Bestand hat.

Seit 1969 hat der RSV auch keine Leichtathletikabteilung mehr. 2 Jahre vorher wollte die für die Mülheimer Leichtathletik verantwortlichen Personen durch Gründung einer Leistungsgemeinschaft aller hiesigen Vereine der einstmals renomierten Sportart neue Impulse verleihen. Der RSV trat der LG bei. Nach einem Jahr scheiterte das Experiment. Durch diesen Mißerfolg wurde unser Verein besonders hart getroffen, weil aus personellen Gründen damals keine Leichtathletikabteilung wieder aufgebaut werden konnte.

Sportlich und organisatorisch war der RSV in eine Krise geraten, die Mitgliederzahl unter 500 gesunken. Die Vereinsleitung wurde Willi Linnenscheidt. Gemeinsam mit seinen Stellvertretern Dietmar Schroer und Heinrich Marzina sowie Friedel Krause als Geschäftsführer und dem Kassierer Karlheinz Wagener gelang es ihm damals, den weiteren Verfall aufzuhalten und den Zusammenhalt der Abteilungen zu sichern.

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